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Wie gelingt es, die Sicherheit an den Steilküsten zu erhöhen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Beratung, zu der der Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher, Vertreter von Behörden, Ämtern und Gemeinden eingeladen hatte. Der tragische Unglücksfall zum Jahresende am Kap Arkona, bei dem ein zehnjähriges Mädchen von herunter stürzenden Kreide- und Erdmassen verschüttet worden war, hatte diese Problematik aktuell gemacht.

„Es ist nicht in unserem Interesse, ganze Küstenbereiche abzusperren. Die Menschen lieben die Natur und wollen sie erleben. Vielmehr sollten wir alle gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Sicherheit an den Steilküsten erhöht wird. Zeitweilige Sperrungen an ausgewählten Stellen können nur die Ausnahme sein“, so der Landrat.

Ralf Drescher wandte sich hier unter anderem an das für den Küstenschutz zuständige Land Mecklenburg-Vorpommern, das mit kompetenten Gesprächspartnern aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz sowie mehreren Landesämtern zugegen war. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die gefährdeten Steilküstengebiete, wie die am Kap Arkona, im Zusammenhang mit Küstenschutzmaßnahmen mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken.“ Nach Ansicht von Ralf Drescher sollte zum Beispiel geprüft werden, ob die Steinbefestigung am Hangfuß auf Höhe der Königstreppe zu beiden Seiten verlängert werden kann. Bürgermeister Ernst Heinemann ergänzte, dass auch die bedrohliche Entwicklung am Küstenabschnitt bei Vitt unbedingt beobachtet werden muss.

Es gibt bereits Daten und Risikobewertungen für diverse Küstenabschnitte. Hier fließen ständig auch Erkenntnisse ein, die bei Befliegungen gemacht werden. Dabei erfolgen unter anderem Aufnahmen mittels Lasertechnik, die eine wichtige Grundlage für das Feststellen der Abschnitte sind, die ein Sicherheitsrisiko darstellen. Dieses Vorgehen sollte möglichst bald auch am Kap Arkona erfolgen. „Wenn bekannt ist, wo sich die Bereiche befinden, könnten vorausschauend Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden“, so der Landrat.

Die Fachleute waren sich einig, dass die Bevölkerung noch mehr Informationen zu den Steilküsten und zum Verhalten erhalten muss. Hier gibt es bereits Flyer und Karten, die das Land den Gemeinden zur Verfügung stellen wird. Am Kap Arkona ist zudem geplant, bei geführten Wanderungen Aufklärungsarbeit zu leisten. Auch eine Ausstellung soll dort ab Mai über die Steilküsten informieren.

Wenn es um Sicherheit im Küstenbereich geht, muss auch die Bautätigkeit betrachtet werden. „Der Landkreis Vorpommern-Rügen wird auch künftig sehr restriktiv mit Baugenehmigungen im Küstenbereich umgehen. In der Kreisverwaltung gibt es dafür bereits entsprechende Handlungsrichtlinien. So soll ausgeschlossen werden, dass Neubauten gar nicht erst in potenziell gefährdeten Gebieten errichtet werden und Menschen zu Schaden kommen können“, so der Landrat.

Komplizierter gestalte sich die Situation in Küstengebieten, für die es Bebauungspläne und die entsprechenden Nutzungen schon seit vielen Jahren gibt. Damals seien die Belange des Küstenschutzes mitunter nicht ausreichend berücksichtigt worden. So könne es durchaus sein, dass sich die Bauten in gefährdeten Bereichen befinden. „Wir werden diese Gebiete und die Bebauungspläne nach und nach überprüfen. Die Sicherheit hat oberste Priorität“, sagte Ralf Drescher.

Der Landrat regte an, die Beratungen zum Thema Steilküsten fortzusetzen. Es gebe noch offene Fragen, die dann gemeinsam mit dem Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Till Backhaus, besprochen werden sollten. Das Treffen in Grimmen sei ein guter Anfang gewesen, das auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit aller Partner hoffen lässt.