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Allgemeine Informationen zur (Links-)Händigkeit

Die sogenannte Händigkeit bezieht sich auf den vorherrschenden Einsatz der entweder rechten oder linken Hand und meint damit in der Regel gleichzeitig die gesamte Körperseite. 

Nach der Geburt und im Kleinkindalter benutzen die Kinder meist intuitiv ihre bevorzugte Hand: ob beim Daumenlutschen, Kuscheltier halten, malen oder Ball werfen. Auch beim Hüpfen auf einem Bein oder dem Abstoßen eines Fußes auf dem Laufrad oder Roller wird meist unbewusst das Bein der dominanten Körperseite eingesetzt. Üblicherweise ist diese meistens auch die stärkere Seite, die sich vertrauter und sicherer anfühlt. 

Verteilung der Händigkeit in der Bevölkerung

Im Allgemeinen geht die Wissenschaft momentan davon aus, dass die meisten Menschen rechtshändig veranlagt sind und sich Linkshändige in der Unterzahl befinden. Die Zahlen für Linkshändige schwanken dabei sehr stark zwischen knapp 3 und 30 Prozent in der gesamten Weltbevölkerung. In MV hat sich in den bisherigen Schuleingangsuntersuchungen ein Anteil von etwa 10 Prozent herausgestellt.

Andere meinen, dass es jeweils 50 Prozent links- und rechtshändige Personen geben müsste. Die Forschungs- und Datenlage dazu ist sehr schwierig, u.a. weil es schwer und aufwendig ist, umgeschulte Linkshänder eindeutig festzustellen. Besonders in solchen Fällen, wo eine Linkshändigkeit bekannt ist und sie z.B. aus religiösen Gründen bewusst versteckt gehalten wird.

Laut einer Studie von 2020, die fünf weltweite Metaanalysen mit insgesamt fast 2,4 Millionen Probanden genauer untersuchte, sollen im Durchschnitt 10,6 Prozent aller Menschen auf der Erde linkshändig sein. Werden weniger strenge Kriterien herangezogen, seien bis zu 18,1 Prozent linkshändig.

Händigkeit veränderbar durch äußere Einflüsse

In einer vorherrschend rechtshändigen Welt hatten Linkshändige lange keinen Platz, wurden als Außenseiter stigmatisiert und absichtlich "umerzogen", z.B.  beim Schreibenlernen in der Schule. Dabei wurde teils auch Gewalt angewandt.

Je nach Umfeld des Kindes, kann sich bis heute im Laufe der Kindheit eine natürliche Linkshändigkeit in eine Rechtshändigkeit "wandeln". Die Gründe dafür sind vielfältig.

Auch heutzutage kann es vorkommen, dass die linke Hand weniger Akzeptanz findet als die rechte oder die Bedingungen zur Entwicklung der linken Hand und Seite schwieriger sind. Diese Abwertung der linken Hand spiegelt sich bis heute in kulturellen, religiösen und sprachlichen Kontexten wider. 

  • Gründe für einen Hand- bzw. Seitenwechsel:
    • fehlende linkshändige Vorbilder
    • fehlendes Material, wie Linkshänder-Schere, Anspitzer oder auf links zugeschnittene Arbeitsblätter
    • das Bedürfnis der Kinder, wie die anderen zu sein (Gruppendynamik)
    • fehlendes Training der linken Hand/Seite z.B. im Sport, wenn beim Wurf- oder Schusstraining nur „rechts“ geübt wird
  • kultureller / religiöser Kontext:
    • die linke Hand gilt als unrein
    • mit Links darf nicht gegessen werden
    • die linke gilt als die Hand des Teufels
  • sprachlicher Kontekt:
    • Aussagen wie linkisch sein, jemanden linken oder zwei linke Hände haben, sind eindeutig negativ – linkshändig zu sein wird demnach ebenfalls negativ bewertet.
    • Rechtshändigkeit wird dagegen mit positiven Aspekten verbunden – rechtschaffen sein, sich auf dem rechten Pfad bewegen, für Recht und Ordnung sorgen usw.

Anzeichen für eine angeborene Linkshändigkeit

Es gibt Erwachsene,  die umgeschulte Linkshänder sind. Manche haben bis heute damit Probleme, andere haben sich weitestgehend angepasst. Dass eine Veranlagung vorliegt, wird häufig gar nicht wahrgenommen oder erst sehr spät überhaupt in Betracht gezogen. Einige Merkmale und bestimmte Verhaltensmuster weisen auf eine angeborene Linkshändigkeit hin, selbst wenn seit Jahren oder Jahrzehnten mit Rechts geschrieben, gemalt oder ein Instrument gespielt wird:

  • An welches Ohr wird das Handy gehalten?
  • Mit welchem Auge wird durch den Sucher geschaut (bei einer älteren Kamera)?
  • Auf welcher Schulter wird die Tasche getragen?

Testung und Umschulung in jedem Alter möglich

Einige Menschen haben ihr Leben lang ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Etwas fühlt sich immer verkehrt, einfach nicht richtig an, ohne dass sie es konkret benennen önnten. Inzwischen beschäftigen sich immer mehr Fachleute mit dem Thema der Händigkeit und haben zur Feststellung der natürlichen Händigkeit Tests entwickelt. Diese funktionieren sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen.

Bei Kindern sind die Tests besonders hilfreich, wenn die Händigkeit möglicherweise nicht eindeutig scheint oder es als Folge einer antrainierten Rechtshändigkeit zum Beispiel Probleme in der Schule gibt. Natürlich gibt es auch andere Ursachen für Schulprobleme, aber die Händigkeit sollte als möglicher Faktor mitbedacht werden.

Zertifizierte Linkshänderberater und -beraterinnen führen solche Testungen durch. Dafür ist reichlich Zeit einzuplanen, denn insgesamt kann die Analyse mehrere Stunden in Anspruch nehmen.