Seiteninhalt

Informationen für Eltern – Ihr linkshändiges Kind

Mädchen schreibt mit der linken Hand an die Tafel © freepik
Mädchen schreibt mit der linken Hand an die Tafel © freepik

In der Schuleingangsuntersuchung, zu der das Gesundheitsamt jedes Kind im Jahr vor dem Schulbeginn einlädt, wird die Schulfähigkeit geprüft. Gleichzeitig beobachten die Ärztinnen und Ärzte, welches die bevorzugte Hand ist und geben dazu eine Empfehlung an die Schule ab.

Doch nicht immer ist das Ergebnis eindeutig, obwohl in dem Alter häufig feststeht, welches die dominante Hand ist. Fehlende Vorbilder, mangelnde Arbeitsmittel zu Hause und in der Kita können die natürliche Händigkeit verändern. Davon betroffen sind üblicherweise linkshändige Kinder, da unsere Umwelt rechts geprägt ist.

Lernen die Kinder das Schreiben mit der „falschen“ Hand, kann das für sie eine belastende Erfahrung mit schwerwiegenden Folgen sein:

  • Sie bemühen sich noch so sehr, aber bekommen es einfach nicht hin.
  • Sie schmieren oder schreiben unsauber bzw. undeutlich (Krakelschrift).

Das nagt an ihrem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Diese Kinder können später auch als vermeintliche Störenfriede wahrgenommen werden, wenn deren Schulerfahrung nicht unter den richtigen, zu ihnen passenden Bedingungen stattfindet, weil es sie so sehr aufwühlt.

Die Rolle der Eltern beim Erkennen der Händigkeit

Bereits bei Ihrem Baby steht fest, ob es links- oder rechtshändig veranlagt ist. Während es anfänglich mal die eine, mal die andere Hand nutzen wird, setzt es mit der Zeit ganz intuitiv die stärkere Hand und Seite ein. In der Regel ist die Händigkeit mit etwa 3 Jahren eindeutig erkennbar. Vielleicht sind Sie unsicher oder haben das Gefühl, dass Sie es nicht eindeutig sagen können?

Äußere Einflüsse führen häufig dazu, dass bei linkshändigen Kindern die natürliche Veranlagung überlagert wird, denn:

    • Unsere Welt ist auf Rechtshändigkeit ausgerichtet – und wird als Norm betrachtet
    • Die meisten Menschen scheinen Rechtshänder zu sein, selbst wenn sie von Natur aus linkshändig, aber „umgeschult“ sind
    • Ein Mangel an linkshändigen Vorbildern in der unmittelbaren Umgebung kann eine Rechtshändigkeit fördern, die von Natur aus nicht gegeben ist
    • Der eigene Wunsch, nicht auffallen zu wollen, führt zu einer antrainierten Rechtshändigkeit

Sie sind die wichtigste Bezugsperson für Ihr Kind und kennen es am besten. Sie haben in der Regel all seine Entwicklungsschritte ab der Geburt beobachtet und miterleben dürfen. Sie sind Ihrem Kind ein wichtiges Vorbild.

Aus all diesen Gründen sind Sie für uns ein wichtiger Ansprechpartner bei der Einschulungsuntersuchung Ihres Kindes und der Feststellung seiner Händigkeit.

Sie haben ein großes Interesse daran, dass es Ihrem Kind gut geht, es die bestmöglichen Bedingungen zum Lernen und Aufwachsen hat und entsprechend seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten gefördert wird. 

Deshalb beziehen wir Sie gern mit ein und beantworten Ihre Fragen zur natürlichen Händigkeitsentwicklung und zur Förderung der veranlagten Händigkeit Ihres Kindes.

Mögliche Folgen einer unterdrückten Linkshändigkeit

Der Mensch ist in der Lage, sich anzupassen – einige besser als andere. Auch eine Veränderung der angeborenen Händigkeit kann bei einigen Kindern fast folgenlos bleiben, während andere (stark) leiden und größere Schwierigkeiten haben.

Unterschieden werden deshalb primäre und sekundäre Folgen: Die primären Folgen stehen unmittelbar im Zusammenhang mit der umgelernten Linkshändigkeit, die sekundären können sich später entwickeln, wie folgendes Beispiel zeigt:

  • Primärfolge: Schwierigkeiten beim Schreiben und mit dem Schriftbild
  • Sekundärfolge: Unsicherheit und Minderwertigkeitskomplexe
    • das Kind bekommt es, trotz großer Anstrengung, nicht besser hin; es zweifelt an sich selbst und hält sich für unfähig
    • verstärkt wird das durch Äußerungen wie „Gib dir mal mehr Mühe!“

Insgesamt können im Ergebnis feinmotorische Auffälligkeiten bis hin zu Störungen von Persönlichkeitsmerkmalen auftreten.

Primäre Folgen Sekundäre Folgen
  • Auffälligkeiten bei der Feinmotorik,
    beim Schreiben oder dem Schriftbild
  • Konzentrationsschwierigkeiten 
    (Kind ist langsam, schnell ermüdbar)
  • Gedächtnisstörungen (Blackouts)
  • Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten
  • Links-Rechts-Unsicherheit
  • Sprachauffälligkeiten (z.B. Stottern)
  • Unsicherheit bzw. Vermeidung
  • Zurückgezogenheit
  • Minderwertigkeitskomplexe
  • Überkompensation
    (erhöhter Leistungseinsatz)
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Psychosomatische Beschwerden
  • Störungen im Persönlichkeitsbild


Glauben Sie, dass eine oder mehrere Aspekte auf ihr Kind zutreffen, heißt das nicht automatisch, dass es von Natur aus linkshändig und umgeschult sein muss, da es auch andere Ursachen dafür geben kann.

Allerdings kann es hilfreich sein, bei einem ärztlichen oder therapeutischen Gespräch an eine eventuell vorliegende Umschulung der Händigkeit zu denken. Durch eine entsprechende Diagnostik oder Linkshänder-Beratung kann der Verdacht gegebenenfalls ausgeschlossen werden.