Wissenschaftliches Projekt zur Händigkeit bei Kindern
Projekt „Händigkeit bei Kindern – Eine Erhebung zur Überprüfung der Einschätzung im Kontext der Schuleingangsuntersuchung"
Für Eltern und allgemein Interessierte
Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung (SEU) wird unter anderem beobachtet, mit welcher Hand Kinder typische Alltagsbewegungen ausführen – zum Beispiel beim Malen, Perlenaufheben oder Flaschendrehen. In manchen Fällen ist die Händigkeit nicht eindeutig, und das ist völlig normal.
Wichtig ist jedoch, dass Kinder mit ihrer natürlichen Veranlagung gefördert und nicht ungewollt „umgelernt“ werden – das kann auf Dauer gesundheitliche und emotionale Folgen haben.
Deshalb wurde im Landkreis Vorpommern-Rügen mit einem besonderen Projekt begonnen: Die Beobachtung der Händigkeit erfolgt differenzierter, Eltern werden gezielt befragt und bei unklarer Händigkeit erfolgt auf Wunsch eine ergänzende Einschätzung durch eine zertifizierte Händigkeitsberaterin. Ziel ist es, Kinder bestmöglich zu unterstützen – sowohl zu Hause als auch in der Schule.
Bei Fragen zur Händigkeit oder zur Schuleingangsuntersuchung wenden Sie sich gern an Ihr zuständiges Gesundheitsamt.
Für Fachkräfte und wissenschaftlich Interessierte
Die Einschätzung der Händigkeit erfolgt in der SEU bislang meist durch Beobachtung der bevorzugten Hand beim Zeichnen oder Schreiben. Studien im Landkreis Vorpommern-Rügen zeigen, dass dadurch linkshändige Kinder häufig nicht erkannt werden.
Im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Projekts in Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald werden daher neue, standardisierte Beobachtungskriterien erprobt und validiert. Ziel ist eine verbesserte Erkennung der dominanten Hand und damit die Vermeidung potenzieller Langzeitfolgen durch unerkannte Umtrainierungen.
Untersuchte Fragestellungen sind unter anderem:
- Wie hoch ist der tatsächliche Anteil linkshändiger Kinder?
- Welche standardisierten Beobachtungen sind hilfreich?
- Welche Rolle spielt die familiäre Beobachtung im Alltag?
- Wie kann eine Händigkeitsberaterin die Diagnosesicherheit erhöhen?
Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Universität Greifswald und das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ).
Projektteam und wissenschaftliche Begleitung
Dr. Susann Heusler
Fachdienst Gesundheit, Landkreis Vorpommern-Rügen
Prof. Dr. Neeltje van den Berg
Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald und DZKJ
Franziska Radicke, M.A.
Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald und DZKJ
Prof. Dr. Astrid Bertsche
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald und DZKJ
Prof. Dr. Silke Schmidt-Schuchert
Institut für Psychologie, Universität Greifswald und DZKJ
