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06.10.2026

»Nicht den Ängsten folgen, sondern dem Mut«: Festveranstaltung zum 36. Jahrestag der Deutschen Einheit mit Joachim Gauck

Was ist seit der Deutschen Einheit erreicht worden – und was braucht es, damit Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt auch in Zukunft Bestand haben? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Festveranstaltung zum 36. Jahrestag der Deutschen Einheit in der Marinetechnikschule Parow. Mehr als 160 Gäste folgten gestern Abend der Einladung des Landkreises Vorpommern-Rügen und der Hansestadt Stralsund. Festredner Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., verband persönliche Erfahrungen mit einem eindringlichen Plädoyer für Mut, Verantwortung und Zuversicht.

Festveranstaltung zum 36. Jahrestag der Deutschen Einheit mit Joachim Gauck © HANSESTADT Stralsund l Pressestelle
Festveranstaltung zum 36. Jahrestag der Deutschen Einheit mit Joachim Gauck © HANSESTADT Stralsund l Pressestelle

„Mut kann man wählen. Man muss es aber wollen und sich dabei anstrengen“, sagte Gauck. Freiheit, Demokratie und ein Rechtsstaat seien keine Selbstverständlichkeiten. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen und Krisen gelte es, nicht nur auf das zu schauen, was Anlass zur Sorge gebe. Gauck sprach von einem „gepflegten Unbehagen“ in der deutschen Gesellschaft und warb dafür, demokratische Debatten offen zu führen und zugleich zuversichtlich zu bleiben: „Dafür haben wir genug Demokraten unter uns.“

Anlässlich des Jahrestags richtete Gauck den Blick anschließend auf das, was seit der Deutschen Einheit erreicht worden ist. In seinem Bild eines „Erntedankkorbs“ nannte er unter anderem freie Wahlen, Meinungs-, Glaubens- und Vereinigungsfreiheit, den Rechtsstaat, den Sozialstaat sowie ein Leben in Frieden. „Es macht mich unglaublich glücklich, dass Frieden und Freiheit zueinander gefunden haben“, so Gauck. Mit seiner persönlichen und zugleich zeitgemäßen Festrede traf er den Nerv des Abends. Seine Gedanken und klaren Worte stießen bei den Gästen auf große Resonanz und wurden mit langanhaltendem Applaus gewürdigt.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Alexander Badrow die Verbindung zum Erntedank hergestellt und den Tag der Deutschen Einheit als „Weichensteller“ bezeichnet. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung gebe es allen Grund, die positive Entwicklung der Region und die hohe Lebensqualität in den Blick zu nehmen. „Einigkeit, Recht und Freiheit sind unsere gemeinsamen Werte, für deren Erhalt wir alle Verantwortung tragen“, unterstrich Badrow.

Kapitän zur See Matthias Braband, Kommandeur der Marinetechnikschule Parow, verwies auf die besondere Symbolik des Veranstaltungsortes: Menschen aus allen Teilen Deutschlands kämen hier zusammen – ein lebendiges Zeichen des Zusammenwachsens.

Landrat Dr. Stefan Kerth dankte dem „Brückenbauer“ und „Freiheitskämpfer“ Joachim Gauck für seine eindringlichen Worte. Anknüpfend an dessen Appell zu Verantwortung und Zuversicht blickte Kerth auf aktuelle Herausforderungen: „Ich bin optimistisch, dass wir unsere Werte, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand erhalten können. Dafür müssen wir gesellschaftliche Reibungen, die vor uns liegen, gemeinsam aushalten und dabei unseren Optimismus bewahren.“

Im Anschluss bot der Abend Gelegenheit zu Begegnungen und persönlichen Gesprächen. Bei angeregtem Austausch ließen die Gäste die Festveranstaltung gemeinsam ausklingen.
Der Landkreis Vorpommern-Rügen und die Hansestadt Stralsund danken der Marinetechnikschule Parow sowie allen Organisatorinnen und Organisatoren. Ein besonderer Dank gilt der Musikschule des Landkreises Vorpommern-Rügen für den festlichen musikalischen Rahmen.

Autor/in: Landkreis Vorpommern-Rügen