»Ostsee, Strand und Badespaß« - Gesundheitsamt klärt auf zu Risiken im Sommer
Die vergangenen zehn Jahre waren die wärmsten seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Um über die gesundheitlichen Risiken bei hohen Temperaturen an Land und im Wasser aufzuklären, verteilt das Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Rügen Plakate und Postkarten unter dem Motto „Ostsee, Strand und Badespaß“ an Kurverwaltungen, Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Ämter. Angesprochen werden sollen Einheimische und Gäste gleichermaßen.
So manch Wagemutige nutzten die ersten sonnigen Tage zum Anbaden schon vor dem offiziellen Start der Badesaison am 20. Mai. In Nonnevitz wurden am 4. Mai 11,7°C in der Ostsee und 11,8°C Lufttemperatur gemessen. Am Bodden in Niederhof war es am gleichen Tag mit 15,9°C im Bodden und 15,2°C an Land spürbar wärmer. Klettern die Temperaturen auf (hoch-)sommerliche Werte und die Gewässer erwärmen sich auf 18°C und mehr, ist mit Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden zu rechnen.
Betroffen sind überwiegend ältere und chronisch kranke Menschen, (Klein-)Kinder und Schwangere. Hohe Temperaturen belasten den Körper, besonders länger andauernde Hitze. Deshalb gilt: Regelmäßiges Trinken, um einen Flüssigkeitsmangel zu vermeiden. Wer draußen unterwegs ist, sollte sich vorwiegend im Schatten aufhalten. So wird der Kreislauf weniger belastet und einem Hitzschlag oder Sonnenstich vorgebeugt.
Abkühlung verschaffen die vielen Bademöglichkeiten im Landkreis. Die gute Nachricht: Die Badewasserqualität gilt meist als ausgezeichnet bis gut. Vorab und während der Badesaison vom 20. Mai bis 10. September beproben Hygiene-Mitarbeitende des Gesundheitsamtes etwa alle vier Wochen die Badegewässer auf Verunreinigungen. Die Anforderungen gelten EU-weit und müssen gleichzeitig der Badegewässer-Landesverordnung Mecklenburg-Vorpommern entsprechen.
Ab etwa 18 bis 20 Grad Wassertemperatur können sich Vibrionen vermehren. Diese weltweit natürlich vorkommenden Bakterien dringen über (kleine) offene Wunden in die Haut ein und können chronisch Kranken und Senioren sehr gefährlich werden. Das Risiko wird oft unterschätzt oder ist gänzlich unbekannt.
In den letzten Sommern infizierten sich einige Personen mit Vibrionen beim Baden oder Wasserwaten mit schweren Wundinfektionen bis zur Sepsis als Folge. Das Problem: Wird die Infektion zu spät erkannt und die richtige Therapie verzögert, kann dies zum Tod führen. Mehrere Patienten verstarben nachweislich an Vibrionen-Infektionen. Ältere, vorerkrankte oder immungeschwächte Personen sollten sich deshalb unbedingt ärztlichen Rat einholen, bevor sie sich − auch nur mit den Füßen – in die Badegewässer begeben.
Das Vibrionenvorkommen wird in Mecklenburg-Vorpommern durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS MV) an ausgewählten Badestellen überwacht. Seit März 2020 besteht bei dem Nachweis einer entsprechenden Infektion eine Meldepflicht für Labore sowie Ärztinnen und Ärzte.
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