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05.11.2026

Praxisnahe Impulse für eine bedürfnisorientierte Schul- und Jugendsozialarbeit beim Fachtag »Verstehen statt Bewerten: Neurodiversität in Schul- und Jugendsozialarbeit«

Fachtag Neurodiversität 2026 © Landkreis Vorpommern-Rügen
Fachtag Neurodiversität 2026 © Landkreis Vorpommern-Rügen

Der vom Fachgebiet Kinder- und Jugendarbeit und dem Fachgebiet Kinder- und Jugendärztlicher Dienst des Landkreises Vorpommern-Rügen organisierte Fachtag fand am 4. November im Rathaus Stralsund statt. In Kooperation mit der KISS Stralsund, der Schulsozialarbeit des Gymnasiums Grimmen und dem Verbund für Soziale Projekte Stralsund e. V. (VSP e. V.) entstand ein Programm für die mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Josef Bast, der Leiter des Fachgebiets Kinder- und Jugendarbeit des Landkreises Vorpommern-Rügen hieß alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen. In dem Grußwort von Maren Stürzbecher, der Leiterin des Fachdienstes Jugend, wurden die Ziele des Fachtags beleuchtet. Der Fokus soll von Defiziten auf Stärken gerichtet werden, das System flexibler, Routinen und Denkmuster hinterfragt und betroffene Personen als Expertinnen und Experten in eigener Sache anerkannt werden.

Mit einem mutigen Interview, das wertvolle Einblicke in die Herausforderungen von ADHS-Betroffenen gab, begann die Tagung. Anschließend erläuterte Frau Dr. Schmidt in ihrem Vortrag als Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Helios Hanseklinikums Stralsund den Begriff der Neurodiversität und wog die positiven und negativen Folgen von Diagnosen im Verfahren ab. Frau Mädche, staatlich anerkannte Ernährungsberaterin, ging der Frage nach, welchen Einfluss Ernährung auf Krankheitsbilder wie ADHS oder Autismus hat. Auf dem anschließenden „Markt der Möglichkeiten“, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Ausstellenden, wie beispielsweise der Agentur für Arbeit oder der Reittherapie Mareike Kadow ins Gespräch kommen. Frau Potratz-Karting, als staatlich anerkannte Erzieherin mit Schwerpunkt Autismus, stellte ihre praktische Arbeit im Autismus-Therapiezentrum Neubrandenburg/Greifswald vor.

Zum Abschluss gab es eine von Jan Peters geleitete Podiumsdiskussion mit der Frage „Wie kommen wir vom Bewerten zum Verstehen?“, die Einblicke in die verschiedensten Perspektiven gab: von Eltern, betroffenen Personen, Therapeutinnen und Therapeuten, Jugendsozialarbeitenden und dem Verfahrenslotsen aus dem Jugendamt. Hier wurden noch einmal die Chancen und Risiken von Hilfen wie Medikation oder Integrationshilfen besprochen. Es wurde deutlich, dass die Sicht auf neurodivergente Kinder und Jugendliche stark von der Haltung des Betrachtenden abhängt. Betroffene Personen wünschen sich Verständnis und Beteiligung. Wenn es gelingt, zerstörtes Selbstvertrauen wieder aufzubauen und Stärken zu betonen, kann Leidensdruck vermindert werden und Entwicklung gelingen. Vom Bewerten zum Verständnis.

Jedes Gehirn ist anders, und das ist auch gut so: Die Facetten von Neurodiversität

DHS, Autismus, Dyskalkulie, Hochbegabung – die Facetten von Neurodiversität im Schul- und Jugendalltag sind vielfältig. Neurodivergente junge Menschen stehen oft vor besonderen Herausforderungen, bringen aber auch einzigartige Stärken mit. Dieser Fachtag beleuchtete Neurodiversität nicht als Defizit, sondern als Teil der menschlichen Vielfalt. Gemeinsam wurden praxisnahe Impulse gesetzt, um zukünftig die Schul- und Jugendsozialarbeit noch inklusiver, ressourcen- und bedürfnisorientierter zu gestalten. 

Autor/in: Landkreis Vorpommern-Rügen